Dort verhandeln junge MandatarInnen aus ganz Tirol schul- und bildungspolitische Anliegen. Die Landeszeitung hat mit Amelie Kammerlander und Felix Eberharter von der LandesschülerInnenvertretung Tirol (LSV) über das vergangene Parlamentsjahr gesprochen und einen Blick auf die kommende Periode geworfen.
Tiroler Landeszeitung: Wie läuft eine Sitzung des SchülerInnenparlaments ab?
Eberharter: Zwei bis vier Wochen vor dem SIP reichen die Delegierten ihre Anträge ein. Jeder Antrag besteht aus einem Fließtext, der den Antrag näher erklärt, und konkreten Forderungspunkten. Die Reihenfolge der Anträge ergibt sich aus dem Abgabezeitpunkt: Je früher ein Antrag eingereicht wurde, desto eher wird er im SchülerInnenparlament behandelt. In der Sitzung selbst wird der Antrag dann vorgestellt und danach mit Abänderungsanträgen und Wortmeldungen „bearbeitet“. Abgestimmt wird zuerst über jeden Abänderungsantrag und schließlich über das Gesamtpaket. Meist werden in einem SIP etwa sechs Anträge behandelt.
Welche Themen aus dem vergangenen Jahr waren für Sie persönlich die wichtigsten – und warum?
Kammerlander: Besonders wichtig war für uns ein Antrag, der direkt beim ersten SIP eingebracht und angenommen wurde. Der Antrag mit dem Titel „Eine Matura – gleiche Regeln“ – von uns als LSV ge-stellt – beschäftigte sich mit einem Forderungsschwerpunkt der BundesschülerInnenvertretung: Die Maturahilfsmittel sollen vereinheitlicht werden, da es trotz Zentralmatura leider immer noch schulspezifische Unterschiede gibt. In manchen Schulen müssen Schülerinnen und Schüler die Deutsch-Matura per Hand schreiben, während andere Schulen einen Laptop mit Rechtschreibprüfung erlauben. Dieser Antrag hat auch bei einigen Vertreterinnen und Vertretern der Politik Aufsehen erregt, wodurch wir hoffen, dass diese Thematik ernst genommen wird und dass erste Schritte eingeleitet werden, um die Matura fairer für alle zu gestalten.
Wie geht es mit solchen Beschlüssen weiter?
Eberharter: Das ist ehrlich gesagt die Schwachstelle des SchülerInnenparlaments. Da wir natürlich nicht der Landtag sind, können wir keine verbindlichen Beschlüsse fassen, die umgesetzt werden müssen. Hier sind wir auf die Politik angewiesen. Wir übermitteln zwar immer alle Entscheidungen an den Landtagspräsidenten, der diese dann entsprechend dem Thema an die zuständigen Regierungsmitglieder oder Institutionen weiterleitet – was die Politikerinnen und Politiker dann aber damit anfangen, ist ihre Entscheidung. Und da sich die meisten von uns im Maturajahr befinden, ist es oft schwierig, im ständigen Kontakt mit allen Parteien zu stehen.
Welche Schwerpunkte erwarten Sie sich im kommenden SIP-Jahr?
Kammerlander: Welche Themen behandelt werden, ist immer sehr verschieden und hängt auch stark von der jeweiligen LandesschülerInnenvertretung ab. Aber ein paar fortwährend aktuelle Themen wie mentale Gesundheit, Digitalisierung oder zeitgerechte Lehrpläne werden hoffentlich auch dieses Jahr ihren Platz im Tiroler SIP finden.
Das SchülerInnenparlament (SIP)
Im SIP tagen SchulsprecherInnen und ihre StellvertreterInnen aller Tiroler weiterführenden Schulen sowie die Mitglieder der LandesschülerInnenvertretung zwei- bis dreimal jährlich. Seit 2020 ist das Gremium in der Geschäftsordnung des Landtags gesetzlich verankert. Seine Beschlüsse gehen an den Landtagspräsidenten und werden – je nach Thema – an zuständige Ausschüsse, Regierungsmitglieder oder die Bildungsdirektion weitergeleitet.Weitere Infos: www.lsv.tirol/sip
„Wenn die jungen Delegierten des SchülerInnenparlaments den Sitzungssaal betreten, dann ist das kein Schulausflug – hier wird Politik gemacht. Anträge werden leidenschaftlich präsentiert, gegensätzliche Sichtweisen argumentiert und konkrete Beschlüsse verabschiedet, die Bestehendes verbessern oder neue Impulse für die Schul- und Bildungspolitik bringen sollen. Dieses Engagement wirkt weit über die konkreten Beschlüsse hinaus: Wer früh erlebt, gehört zu werden, bleibt der Demokratie ein Leben lang verbunden.“
Jakob Wolf Landtagspräsident